Der offline Part der Digitalisierung. Es geht nicht immer um Tools

Blog-Serie zum Digital Change, Teil 3: Die Menschen

In den letzten beiden Artikeln unser kleinen Blogserie habe ich deutlich gemacht, dass es bei der Digitalisierung nicht um Tools geht und nicht um Features und auch nicht nur um Prozesse.

Es geht um eine neue Art des Arbeitens und vor allem darum, unsere tägliche Arbeit neu zu bewerten und zu denken. Es geht um einen Sinneswandel, um einen Change of mind.

Ich habe bereits die Unternehmensumwelt sowie die Arbeitsprozesse beschrieben, denen wir uns in der Digitalisierung mit besonderem Augenmerk widmen sollten. Im letzten Teil der Serie geht es um das größte Asset, das jede Firma besitzt: die Mitarbeiter.

Die Menschen
Der Erfolg jedes Change Prozesses, auch in der Digitalisierung wird zu einem maßgeblichen Teil von den Menschen getragen, die von ihm betroffen sind.
Es ist außerordentlich wichtig, dass die Menschen abgeholt und mitgenommen werden. Denn die Herausforderung, die daraus erwächst ist folgende: Prozesse, die fit für die digitale Zukunft sind und Tools, die es sind, sind schön und gut. Aber wenn keiner da ist, der die Tools benutzt oder die Prozesse lebt, bleiben wir trotzdem beim Stillstand. Dann bewegt sich nichts.
Das Problem ist, dass Menschen von Natur aus skeptisch sind, was Veränderungen angeht. Das wird in den Humanwissenschaften als Status-Quo-Verzerrung beschrieben. Dabei geht es darum, dass es eine instinktive Angst oder Respekt vor allem gibt, das neu und unbekannt ist. Das ist auch weiterhin nicht problematisch, allerdings hilft es, diesen Effekt zu kennen. Es gibt natürlich auch Menschen, die Neuem gegenüber grundsätzlich aufgeschlossener sind, dennoch bleibt das Wissen um die Status-Quo-Verzerrung ein wichtiger Bestandteil jedes Change Projekts. Denn nur was ich weiß, kann ich auch angehen. Klarheit schafft Freiheit.

Besonders in einer VUCA Welt (volatile, uncertain, complex, ambiguous), braucht man nicht nur Menschen, die bereit sind, sich auf Change einzulassen, sondern man braucht auch selbstbewusste und intrinsisch motivierte Mitarbeiter. Oder anders herum, selbstbewusste und intrinsisch motivierte Mitarbeiter sind sehr viel eher bereit Neues zu wagen, als welche, die diese Eigenschaften nicht aufweisen. Wir brauchen die Querdenker, die bereit sind Neues auszuprobieren, die Wagemutigen, die Neugierigen, die kritischen Denker, die uns voranbringen. Die intrinsische Motivation dieser Mitarbeiter ist dabei ein entscheidender Faktor. Aber wie schaffe ich es, eine intrinsische Motivation im Mitarbeiter zu erzeugen?

Es gibt zwei wesentliche Aspekte, die dafür Voraussetzungen sind und Verstand wie Herz ansprechen:

  • Sinn – Menschen wollen Sinnhaftigkeit erleben
  • Mehrwert – Menschen wollen begreifen, was für sie drin ist

Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass Menschen weniger motiviert sind etwas zu tun, wenn sie keinen Sinn darin sehen. Das ist den meisten direkt klar. Interessanterweise ist das selbst dann so, wenn man für diese Tätigkeit bezahlt wird.
Mitarbeiter wollen wissen, warum sie etwas tun sollen. Vermitteln Sie die Notwendigkeit und ein Verständnis für das, was passiert.
Und dazu beantworten Sie am besten ganz zu Anfang diese eine Frage: Warum das alles? (Übrigens nicht nur im Zuge der Digitalisierung, sondern bei jedem Change Projekt).

Und jetzt kommt der Clou: Es gibt keine generalisierte Antwort, auf dieses „Warum“. Mitarbeiter wollen eine für sie passende Antwort auf dieses „Warum“.
Was ist für Mitarbeiter passend? Dafür muss man die Brille der Mitarbeiter aufsetzen und die Sache aus ihrer Sicht betrachten. Eins darf ich an dieser Stelle schon verraten, in den seltensten Fällen hat die Antwort was mit Tools und Features zu tun. Jemand hat mal gesagt „Instead of thinking Features, think about what the business needs” und das trifft die Fragestellung ziemlich gut.

Und damit kommen wir auch auf den zweiten Punkt. Was ist für die Mitarbeiter drin? Und damit meine ich schon wieder nicht Geld, damit meine ich den individuellen Use Case der Mitarbeiter. Welchen Vorteil hat der Mitarbeiter davon, was ist für ihn (oder sie) der persönliche Mehrwert? Dieser persönliche Mehrwert löst Freude und Wertschätzung aus. Und das führt dazu, dass die Mitarbeiter den Grund nicht nur verstehen, sondern im wahrsten Sinne des Wortes begreifen. So kommen Sach- und Gefühlsebene zusammen und Mitarbeiter sind dann sehr viel eher bereit sich in eine VUCA Welt zu stürzen bzw. einen Change mitzugehen.

Man kann intrinsische Motivation nicht von außen herbeiführen. Man kann niemandem befehlen motivierter zu sein. Man kann lediglich Anreize geben, damit sich eine Motivation von selbst einstellt. Man kann die Umwelt der Mitarbeiter so anpassen, dass sie eigenständig Motivation entwickeln.
Aber wie?

Es ist die letzte Frage, die natürlich offenbleibt. Wie geht das? Glücklicherweise gibt es darauf eine Antwort. Die Antwort lautet (leider): es kommt drauf an!
Es gibt kein magisches Template.
Es gibt keinen magischen Button, den man drücken kann.
Es gibt keine magische Abkürzung.
Der Umgang mit Menschen ist so einzigartig und unvorhersagbar, wie jeder einzelne Mensch selbst. Man braucht einen guten Draht zu seinem Team, seinen Mitarbeitern. Und so wie jeder Mitarbeiter einzigartig ist, so ist es jedes Team und jede Organisation. Keine Einheitlichkeit und kein Template.
Also, Ihr seid auf dem Weg in die Digitalisierung. Traut Euch genau hinzuschauen. Es gibt super Tools da draußen, aber prüft genau, wie Ihr sie einsetzen wollt. Schaut auch nach links und rechts, schaut auch auf die Prozesse und Eure Teams. Digitalisierung ist eine ganzheitliche Herausforderung. Macht was draus!

Das Devoteam Alegri Change & Adoption Team hat langjährige Erfahrung in Change Projekten unterschiedlichster Art. Kontaktieren Sie uns zu weiteren Themen der Transformation!

Michael Roth, Consultant Workplace Transformation / Change & Communications bei Devoteam Alegri war mit diesem Thema als Speaker auf dem SharePoint Saturday am 11.05.2019 in Köln vertreten.

 

 

 

 

 

Quelle Titelbild: iStock



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